Enge Verbindung trotz räumlicher Distanz: Bio-Wissenszentren in Nordafrika

Obwohl in SEKEMs Gästehaus kaum Zimmer belegt waren, herrschte Anfang September fast zwei Wochen lang buntes Treiben in den Konferenzsälen. Die SEKEM Freunde Deutschland richteten in Zusammenarbeit mit der Heliopolis Universität zwei länderübergreifende Workshops aus – online, versteht sich, zu Corona-Zeiten. Rund 30 Teilnehmende kamen Tag für Tag in Marokko, Tunesien, Deutschland und Ägypten vor ihren Bildschirmen zusammen und arbeiteten intensiv an den Grundlagen zur Umsetzung von Bio-Wissenszentren in Nordafrika.

Über 200 MultiplikatorInnen für Bio-Landwirtschaft

Seit Mai 2020 koordinieren die SEKEM Freunde Deutschland das großangelegte Projekt zur Förderung der Wissensvermittlung rund um die nachhaltige Landwirtschaft in Nordafrika. Partner des vom BMZ finanzierten Projekts sind Institutionen aus dem Bio-Sektor in Ägypten, Tunesien und Marokko. Gemeinsam wurde ein Konzept erarbeitet, wie vorhandenes Wissen gesammelt, zugänglich gemacht und verbreitet werden kann. Dazu sollen Multiplikatoren identifiziert werden, die insbesondere in ländlichen Gegenden Aktivitäten zur Wissensvermittlung organisieren. Während des Workshops wurden die TrainerInnen für diese Multiplikatoren identifiziert und gemeinsam ein Curriculum für die geplanten Trainings entwickelt. Über 200 MultiplikatorInnen sollen in ganz Nordafrika diese Aktivitäten in ihren Gemeinschaften durchführen.

Die ägyptischen MitarbeiterInnen zu Besuch bei einem potentiellen Multiplikator für die Verbreitung von Wissen über bio-Landbau.

Teambuilding trotz räumlicher Distanz

„Die Workshops über vier Länder hinweg parallel zu organisieren, hat uns vorab viel Überlegung und auch etwas Mut gekostet. Wir mussten uns immer wieder kurzfristig auf die neuen Regelungen in Zusammenhang mit den Reisebestimmungen einstellen und schlussendlich entscheiden, ob wir die Workshops auch ohne physische Treffen koordinieren können“, berichtet Markus Arbenz, der das Projekt im Auftrag der SEKEM Freunde Deutschland leitet. „Es hat sich gelohnt. Am Ende schienen alle beeindruckt, wie gut die Online-Zusammenarbeit funktioniert hat.“ So gab es nicht nur gemeinsame Sessions mit Vorträgen aus einem Land, sondern auch mehrere kleinere Gruppenarbeiten. „Ich bin sehr froh, dass ich meine Counterparts in Tunesien und Marokko zumindest virtuell kennenlernen konnte und stolz, dass wir es geschafft haben trotz der räumlichen Distanz ein Gefühl der Team-Zusammengehörigkeit zu erschaffen“, berichtet Naglaa Ahmed, die für SEKEM und die Heliopolis Universität die TrainerInnen in Ägypten anleiten und koordinieren wird.

In Kooperation mit Institutionen in Marokko und Tunesien will das Projekt ORGANAK Wissen über Bio-Landbau in Nordafrika verbreiten. Hier sind die tunesischen Partner von CTAB, dem technischen Center für Öko-Landwirtschaft der tunesischen Regierung, zu sehen.

Neben der theoretischen Arbeit konnten in Ägypten und Tunesien auch Ausflüge unternommen werden, die MitarbeiterInnen aus Marokko durften sich aufgrund der strikten Corona-Beschränkungen leider nicht persönlich treffen. Insbesondere die TrainerInnen bekamen während der Exkursionen einen Vorgeschmack auf die praktische Arbeit mit den MultiplikatorInnen in den Dörfern. „Wir verstehen die Arbeit mit den MultiplikatorInnen als Herzstück des Projekts“, so Naglaa Ahmed, die in der Kooperation mit LandwirtInnen bereits langjährige Erfahrung vorzuweisen hat. „Nach dem Training fühle ich mich gut vorbereitet und motiviert, diese wichtigen Schlüsselpersonen zu suchen und auf ihre Aufgabe vorzubereiten.“

Das Projekt „Bio-Wissenszentrum Nordafrika“ ist eines von vier ähnlichen Projekten in den anderen Regionen Afrikas, die alle von der GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) beauftragt sind. Die Inhalte kreuzen sich mit verschiedenen SEKEM-Zielen auf dem Weg zum Erreichen der Vision 2057.

Christine Arlt

Wissenszentren für Bio-Landwirtschaft in Nordafrika
SEKEM Freunde Deutschland